Kritik zum YouTube Channel: LaTeXTutorial#

Fr, 2015-07-03 17:34

Auf YouTube gibt es einen video-technisch gut gemachten Channel LaTeXTutorial. Der Kanal hat mit rund eineinhalbtausend Abonnenten und dreihundertausend Abrufen in zwei Jahren für einen Kanal zu LaTeX auch einen recht hohen Zuspruch. Leider bringt hier offenbar ein Einäugiger den Blinden LaTeX bei. Anders gesagt: Es wäre für viele Anfänger und für sehr viele Helfer in den Foren besser, wenn es dieses Tutorium so nicht gäbe. Es wäre ein großer Gewinn, wenn der Autor das Tutorium inhaltlich ganz erheblich überarbeiten würde. Dann könnte es wirklich nützlich sein. Auf den weiteren Seiten werde ich auf einige Teile näher eingehen.

Teil 1: Einführung#

Fr, 2015-07-03 17:45

Teil 1 des LaTeX-Tutorials ist eine Einführung, in der in zweieinhalb Minuten erzählt und gezeigt wird, was LaTeX ist und was für Ergebnisse man damit erzielen kann. Video-technisch ist bereits dieser Teil sehr ansprechend gemacht. Viel gezeigt wird tatsächlich nicht. Schon nach zehn Sekunden fällt auf, dass der Anwender offenbar nie etwas über die Geschichte von LaTeX gelesen hat. Zwar weiß er, dass man das Ding nicht wie den Gummibaumsaft ausspricht, der uns früher in den Usenet-Gruppen und frühen Internet-Foren immer die lustigen fehlgeleiteten Fragen brachte. »Latek« [ˈlaːtɛk] ist allerdings auch nicht viel besser. Die korrekte Aussprache wäre [ˈlaːtɛç] oder [ˈlaːtɛχ], wie man bereits korrekt mit einem kurzen Ausflug auf Wikimedia erfährt. Das ständige »Latex« des Videokünstlers tat mir physisch so weh, dass ich Mühe hatte, den ganzen Teil durchzustehen.

Bei Minute 1 fällt dann auf, dass im gezeigten Beispiel der zweite Absatz mit Absatzabstand und Absatzeinzug ausgegeben wird. Da daneben scheinbar der Quelltext angezeigt wird, wollte ich sehen, wie der Autor diese normalerweise wenig sinnvolle kombinierte Absatzauszeichnung gemacht hat. Der Quelltext führt allerdings gar nicht zu dem gezeigten Ergebnis, sondern enthält tatsächlich den Text aus dem gezeigten Ergebnis ganz ohne Absatz. Ich finde es nicht gut, wenn der gezeigte Quelltext nicht zum gezeigten Ergebnis führt. Gerade wenn man einen ersten Eindruck verschaffen will, sollte man einen falschen Eindruck vermeiden.

Kurz darauf wird dann hervorgehoben, »Latek« sei für »Arbeiten mit hohem1 typographischen Ansprüchen« bestens geeignet. Die vorherige Absatzauszeichnung mit Abstand und Einzug ist dafür dann auch eher kein optimales Beispiel und das Leerzeichen vor dem Fragezeichen am Anfang der Seite auch nicht unbedingt.

Teil 2: Programme und Installation#

Fr, 2015-07-03 18:13

In Teil 2 des LaTeX-Tutorials wird »MiKTeX« (ja, mit gesprochenem »x«) und »TeXmaker« (natürlich genauso gesprochen) für »Latek« installiert. Zwar wird neben MiKTeX auch korrekt TeX Live im Bild aufgeführt, aber behauptet, dass aufgrund der Verwendung von Windows natürlich »MiKTeX« zu installieren ist. Ich kann ja verstehen, dass der Autor sich für eine Distribution entscheiden musste und seine persönliche Entscheidung auf MiKTeX gefallen ist. Dass er aber im gesprochenen Wort quasi so tut als wäre das die einzige Möglichkeit, gefällt mir persönlich nicht. Ich könnte daraus genauso schließen, dass er die Anwender anderer Betriebssystem gar nicht will. Tue ich aber nicht. Er verwendet eben Windows und er verwendet MiKTeX. Nichts dagegen.

Allerdings ändert er bei der Installation die Standardpfade für die Installation, ohne zu erklären, warum er das tut. Überhaupt handelt er die ganze Installation in knapp 30 Sekunden Schnelldurchlauf ab. Für erfahrene Computeranwender sicher ausreichend, für ein Tutorial eher etwas wenig. Hier wäre es gut gewesen bei MiKTeX auf die Möglichkeit der Installation für einen Anwender oder für alle Anwender eines Rechners hinzuweisen und nach Möglichkeit die Installation nur für den einzelnen Anwender zu empfehlen, da deren Wartung für den wenig erfahrenen Anwender schlicht einfacher ist.

Achja: Er behauptet jetzt auch, dass wir »TeX« – wieder mit »x« – richtig lernen wollen, macht also den typischen Fehler der Vermischung von TeX und LaTeX, die so manchen Anfänger verwirrt. Darüber ein Wort zu verlieren, statt die Verwirrung selbst zu provozieren, wäre sicher eine gute Idee gewesen.

Nicht zu vergessen: Die Behauptung, dass LyX für Leute geeignet wäre, die gar kein LaTeX lernen wollen, steht dem entgegen, was die LyX-Autoren selbst erklären.

Warum man TeXmaker von Chip runterladen soll, statt von der TeXmaker-Homepage ist für mich auch nicht ersichtlich. Oder kennt der Autor diese etwa nicht?

Teil 3: Das erste Dokument#

Fr, 2015-07-03 18:30 mit Ergänzung von 2020

In Teil 3 des LaTeX Tutorials geht es mit einem ersten »Latek2«-Dokument los. Die ersten zwei Minuten sind bis auf die Aussprache von LaTeX nicht zu beanstanden. Dann wird jedoch gleich einmal konstatiert, dass »wenn man ein deutsches Dokument schreibt, wie wir jetzt, scrartcl« statt article verwendet wird. Hey! scrartcl ist keine Frage von Deutsch, Slowenisch oder Englisch! Die Voreinstellung ist sogar Englisch! In Wirklichkeit ist der Punkt, dass scrartcl sehr viel flexibler ist als die Standardklasse article! Leute, vielleicht könnt ihr euch das endlich mal merken!

Der Autor weiß auch nicht, warum scrartcl »auf Deutsch jetzt genau so heißt«. Das muss man tatsächlich nicht unbedingt wissen. Ich hätte es ihm aber verraten können und in früheren Anleitungen stand es sogar noch drin, ist dann aber irgendwann der Kürzung zum Opfer gefallen, weil ich niemanden mit der Story langweilen wollte.

Außerdem behauptet der Autor, Option a4paper sei quasi der Standard. Da hat er nicht ganz Unrecht. Bei scrartcl ist diese Option in der Tat Standard, also Voreinstellung, weshalb er sie sich hätte sparen können.

An seiner Erklärung zu \usepackage[utf8]{inputenc} amüsiert sich der Autor selbst. Ich auch. Wenn man nicht die technischen Grundlagen erklären will, sondern sich mehr an der Anwenderpragmatik orientiert, ist die Erklärung aber gar nicht so schlecht, so in etwa: »Macht das, es ist besser, wenn ihr bestimmte Zeichen eingeben können wollt.« Hoffen wir, dass nicht gleich jemand das dabei erwähnte »€« ausprobiert. Außerdem hätte er vielleicht nicht den Bezug Windows → utf8 herstellen sollen. Der ist auch nicht besser als der vollkommen falsche Bezug Windows → latin1 oder Windows → ansinew, den ich bei anderen oft noch immer lesen muss. Überhaupt ist die Behauptung, das hinge oft vom Betriebssystem ab, schlicht falsch. Es hängt vom Editor und dessen Einstellung ab, von sonst nichts. Die Verwendung von inputenc selbst hängt außerdem davon ab, ob man PDFLaTeX oder LuaLaTeX oder XeLaTeX verwendet. Bei einer wirklich aktuellen LaTeX-Distribution kann man sich bei Verwendung von UTF8 als Eingabecodierung das ganze \usepackage[utf8]{inputenc} übrigens auch einfach sparen. Mit LaTeX 2018/04/01 wurde UTF8 nämlich die Standardcodierung auch für PDFLaTeX. Wie man sieht, kann so ein Tutorium auch von der Entwicklung überholt werden, so dass Teile davon überflüssig werden.

Die Erklärung zu babel ist auch nicht schlecht. Nur mit der Sortierung des Inhaltsverzeichnisses hat das nichts zu tun.

Achja: Es heißt weder »inpu-tenc« noch »font-tenc«!

Bei mir dauert auch die Auswahl der korrekten Pakete nicht am allerlängsten, weshalb sich LaTeX auch keineswegs nur für lange Dokumente eignet.

In Minute 7 werden dann \section als »Überkapitel« und \subsection als »Unterkapitel« erklärt. Jetzt wird mir klar, warum die Leute immer glauben, dass scrartcl Kapitel habe. Warum nicht einfach »Abschnitt« und »Unterabschnitt«? Das wäre eine deutlich bessere Idee!

Bei allen Dingen, die der Autor nicht so recht erklären will, erwähnt er, das sei quasi der Standard. Überhaupt verwendet er »quasi« quasi noch viel lieber als ich.

Gut: Er erklärt, dass man für Referenzen und das Inhaltsverzeichnis mehr als einen LaTeX-Lauf benötigt.

Alles in allem sind in diesem Teil von »Latek« und »Tex« abgesehen keine echten Fehler. Er dürfte für Anfänger durchaus nützlich sein.

Teil 4: Bilder einfügen & referenzieren#

Fr, 2015-07-03 19:08 mit Ergänzung von 2020

In Teil 4 des LaTeX Tutorials geht es um die Einbindung von Bildern. Dabei wird gleich einmal behauptet, dass man bei Verwendung von LaTeX (ja, jetzt spricht er es zum ersten Mal richtig aus) nur eps-Bilder einbinden könne. Das stimmt zwar nicht, aber da er dann ohnehin gleich zu PDFLaTeX weitergeht, soll es mir egal sein. Was mir hingegen nicht egal ist, dass er in der allerersten Grafikeinbindung eine Gleitumgebung:

\begin{figure}[h]
\begin{center}
\includegraphics[width=4cm]{Latex.png}
\caption{Latexlogo}
\label{latex_logo}
\end{center}
\end{figure}

angibt. Da sind gleich zwei dicke Hunde drin:

  • Gleitumgebungen nur mit der Gleitoption h sind wenig sinnvoll. Das sieht auch LaTeX selbst so und erweitert die Angabe um ein t. Es ist also auf den ersten Blick kein dramatischer Fehler. Allerdings führt er dazu, dass von den einunddreißigtausend Abrufern sich so mancher gefragt haben dürfte, warum das in seinem Dokument trotzdem nicht hier erscheint.
  • Die center-Umgebung zentriert nicht nur, sondern fügt als heimliche Listenumgebung zusätzlichen vertikalen Abstand oben und unten ein. Das will und braucht man in Gleitumgebungen mit nur einer Abbildung nicht. Deshalb verwendet man statt der Umgebung besser die Anweisung \centering.

Mit den beiden Fehlern hat der Autor in meinen Augen bereits das Ziel verfehlt. Außerdem hätte ich es besser gefunden, wenn er erst einmal eine Abbildung ohne Gleitumgebung gezeigt hätte. So entsteht leicht der Eindruck, \includegraphics könne nur in einer figure-Umgebung verwendet werden.

Als nächstes erklärt er dann, wie man Bilder aus Unterordnern einbindet. Dabei fällt er wieder auf »Latek« zurück. Bevor er das macht, springt er aber darauf zurück das kurz gezeigte Beispiel in das Beispieldokument einzufügen und dort zu erklären, dass man auch noch das Paket graphicx laden muss. Und jetzt erwähnt er doch noch den Gummibaumsaft. Es war fast zu erwarten.

Oh toll, er verschiebt die Gleitumgebung unmittelbar hinter die Überschrift. Kleiner Hinweis am Rande: Das ist nicht empfehlenswert. Besser ist, erst den Absatz mit dem Text zum Bild, dann das Bild.

Und jetzt dürft ihr raten, wie er das mit den Unterordnern macht: Er setzt die Pfadangabe direkt im \includegraphics-Befehl. Ich bin gespannt, ob er noch auf \graphicspath kommt … nö. Stattdessen erklärt er \ref. Gut, dass er das erklärt. Leider erklärt er nicht, dass man beispielsweise keine Umlaute für \label und \ref verwenden sollte, solange man noch kompatibel zu (PDF)LaTeX-Versionen bleiben will, bei denen das von ihm verwendete \usepackage[utf8]{inputenc} sinnvoll ist. Wer ein wirklich aktuelles LaTeX einsetzt, hat das Problem aber in der Tat nicht mehr.

Für mich ist dieser Teil mit der verkorksten Gleitumgebung und der unzureichenden Erklärung der Platzierungs-/Gleitoptionen ein erster Tiefpunkt des Tutoriums. Schon hier lautet mein Fazit: Nicht nachmachen! Es werden Dinge gezeigt, von denen abgeraten werden muss.

Teil 5: Gliederung & Gliederungstiefe#

Fr, 2015-07-03 20:13

In Teil 5 des LaTeX Tutorials geht es um Gliederung und Gliederungstiefe, so der Autor. Dabei behauptet er, die Befehle \part, \chapter, \section und \subsection wären bei LaTeX »von Grund auf dabei«. Werter Herr, das ist mit Nichten so. Sämtliche Gliederungsbefehle werden von den LaTeX-Klassen – in Ausnahmefällen auch von LaTeX-Paketen – bereitgestellt und es hängt von diesen ab, welche es gibt. So haben beispielsweise article und scrartcl kein \chapter.

Als nächstes versteigt er sich in die Behauptung, dass man ggf. mit

\setcounter{secnumdepth}{5}
\setcounter{tocdepth}{5}

bei Bedarf auch noch \subsubsection bekommt und das die fünfte Gliederungsebene wäre. Das ist schlicht Unfug! Über keinen der beiden Zähler erhält man zusätzliche Gliederungsebenen. Der erste bestimmt hingegen, welche der ohnehin verfügbaren Gliederungsebenen nummeriert werden sollen, der zweite, welche ins Inhaltsverzeichnis eingetragen werden. Außerdem ist \subsubsection weder für secnumdepth noch für tocdepth Ebene 5, sondern Ebene 3.

Als nächstes erzählt er dann, dass insbesondere \part abhängig von der Dokumentklasse verfügbar sei oder nicht und bei article oder scrartcl gäbe es sie nicht. Das erklärt mir nun, warum so viele Anwender auf dem schwachen Brett stehen, article und scrartcl hätten kein \part. Auch das ist falsch!

Auch würde ich eine Abschlussarbeit eher nicht mit einem \part{Hauptteil} und \part{Anhang} versehen. Das ist doch etwas übertriebene Zergliederung. Kein vernünftiges Buch macht das so.

Jetzt erklärt er, die Standardgliederungstiefe von »Latek«3 sei 4. Auch das ist Unsinn. Falls er hier wieder die genannten Zähler meint, bei der von ihm verwendeten Klasse scrreprt ist der voreingestellte Wert beider Zähler 2.

Ah, jetzt widerspricht er sich ein wenig und zeigt, dass \subsubsection doch auch ohne Zähleränderung verwendet werden kann, erklärt dann aber gleich wieder, dass man dazu die Zähler ändern muss. Alles ein wenig konfus.

Auch für diesen Teil gilt daher: Teilweise falsch und insgesamt wenig erhellend und zielführend. Besser die Finger davon lassen.

Teil 6: Schriftsatzbefehle und Schriftgrößen#

Fr, 2015-07-03 20:34

In Teil 6 des LaTeX Tutorials wird es nun wirklich grausam! Schon in den ersten Sekunden erklärt der Autor, dass \\ ein sehr häufig verwendeter Befehl für den Zeilenumbruch und \\[0.5cm] oder \par ein Absatz wäre. Als unbedarfter Anwender würde ich daraus schließen, dass \\[0.5cm] und \par gleichbedeutend wären und für Absätze eines von beiden benötigt wird. Das ist natürlich Unfug. \\ sollte man im Fließtext nahezu niemals verwenden und \\[0.5cm] oder mit irgend einer anderen Länge im optionalen Argument schon gar nicht. Die Verwendung kann zu allerlei Grausamkeiten führen, beispielsweise Verschlechterung des Absatzumbruchs, wenn TeX die letzte Zeile eines Absatzes nicht mehr erkennt, oder vertikaler Abstand am Anfang einer Seite. In manchen Umgebungen kann es bei unbedachter Anwendung sogar zu Fehlermeldungen führen.

Achja: Genau genommen macht \newpage auch keinen Seitenumbruch – das wäre \pagebreak –, sondern beendet die Seite. Mit dem nächsten Absatz wird dann eine neue Seite begonnen. Aber das ist natürlich etwas haarspalterisch. Ohne die Fehler bei \\ hätte ich das wohl nicht einmal erwähnt. Allerdings fehlen die wichtigeren Anweisungen \clearpage und \cleardoublepage an dieser Stelle.

Noch immer in der ersten Minute wird es jetzt abschreckend. So wird erklärt, dass man Wörter mit \glqq{}Beispiel\grqq{} in Anführungszeichen setzt. Davon abgesehen, dass mit den Gruppenklammern nach \glqq ggf. das Kerning zwischen Anführungszeichen und Buchstaben gestört wird, ist das natürlich unnötig umständlich. Hier hätte er besser die babel-Eingabe mit "`Beispiel'" oder noch besser die Verwendung von Paket csquotes erklärt.

Den Unterschied von \textit und \emph hat der Autor entweder nicht verstanden oder hält ihn für nicht erwähnenswert. Und statt geschweiften Klammern spricht er leider von eckigen Klammern. Leider führt er auch \underline als Schriftbefehl auf, ohne seine ggf. negativen Auswirkungen zu erklären. Da macht er es sich wirklich etwas leicht.

Ganz schlimm wird es nun mit den Schriftgrößen. Die üblichen Befehle \Huge etc. zeigt er – es war leider bereits zu befürchten – mit Argument statt als Umschalter. Das ist in jeder Hinsicht falsch und irreführend. Zwar kommt noch ein Satz, dass die Schriftgrößen gelten, bis sie mit einem anderen Schriftgrößenbefehl wieder geändert werden. Aber das hätte man auch so zeigen sollen und ist natürlich nur die halbe Wahrheit.

Auch diesen Teil des Tutorials sollten Anfänger besser nicht lesen. Danach wundert mich kaum noch, dass wir in den Foren immer so grausamen Code mit eben diesen Fehlern vorgesetzt bekommen.

Teil 7: Kopf- und Fußzeilen#

Fr, 2015-07-03 20:47

In Teil 7 des LaTeX Tutoriums geht es um Kopf- und Fußzeilen. Die ersten zwei Minuten sind ganz OK. Letztlich wird der Unterschied zwischen der scrreprt-Voreinstellung mit Seitenstil plain und Seitenstil headings gezeigt.

Dann geht er dazu über scrreprt mit fancyhdr zu kombinieren. Schon 2013 stand in der KOMA-Script-Anleitung, dass das nicht empfohlen werden kann. Aber gut, damit kann man notfalls leben. Schade nur, dass er nur die ganz einfachen Befehle aber nicht \fanyhead und \fancyfoot erklärt. Als nächstes tut er aber leider so, als bräuchte man bereits für Linien im Kopf und einen beliebigen Text dieses Paket. Das kann aber KOMA-Script auch ganz alleine.

Zwischendurch wird behauptet \slshape wäre sans-serif. Nein, ist es nicht. Es ist verschrägte Schrift (slanted) und hat mit sans-serif nichts zu tun.

Immerhin erklärt er \leftmark und \rightmark für die Voreinstellung von fancyhdr durchaus korrekt.

Diesen Teil kann man durchaus stehen lassen, auch wenn ich mir wünschen würde, dass mit KOMA-Script-Klassen scrpage-scrlayer oder – 2013 – zumindest das inzwischen nicht mehr in KOMA-Script enthaltene scrpage2 erklärt würde. Vielleicht sehe ich das aber bei allen Vorteilen dieser Kombinationen auch etwas eng.

Teil 8: Literaturverzeichnis#

Fr, 2015-07-03 20:57

In Teil 8 des LaTeX Tutoriums geht es um das Literaturverzeichnis. Dabei wird zunächst sehr schön auf die Literaturverwaltung mit JabRef eingegangen. Das hat der Autor wirklich gut gemacht. Deshalb will ich mich über das gesprochene »x« in BibTeX auch gar nicht wieder aufregen.

Einen kleinen Fehler hat er aber gemacht. Er kombiniert UTF8-codierte BibTeX-Dateien mit bibtex. BibTeX kann bekanntlich nur mit US-ASCII korrekt umgehen und benötigt für Sonderzeichen für wirklich korrekte Verarbeitung gruppierte TeX-Befehle. Dass ich das nicht so tragisch sehe liegt vor allem daran, dass ich die Verwendung von BibTeX ohnehin für überholt halte. Wer die JabRef-Erklärung mit biblatex und biber kombiniert, fährt mit UTF8-codierten BibTeX-Dateien tatsächlich gut. Daher hat dieses Fehlerchen hier sogar Vorteile. Schade nur, dass biblatex und biber nicht erklärt werden.

Teil 9: Aufzählungen und Tabellen#

Fr, 2015-07-03 21:13

Teil 9 des LaTeX Tutoriums beginnt mit Aufzählungen, also Listenumgebungen. Das macht der Autor richtig gut und erklärt auch grob einige Möglichkeiten des Pakets paralist. Zwar bevorzuge ich selbst inzwischen eher enumitem, aber das Paket paralist ist sicher keine schlechte Idee. Auch die Unterschiede zwischen den unterschiedlichen nummerierten und nicht nummerierten Listen und deren Schachtelung werden sehr schön gezeigt.

Ab Minute 3 geht es dann mit Tabellen weiter. Warum er dafür keinen eigenen Teil gemacht hat, ist mir ein Rätsel. Aber das ist seine Entscheidung.

Hier beginnt er im Gegensatz zu Abbildungen tatsächlich mit der Tabelle nicht mit der Gleitumgebung. Das ist gut. Auch die Erklärung, was passiert, wenn man eine Spalte mehr verwendet als deklariert ist, ist angemessen.

Witzig finde ich den Satz »und genauso sieht das Ergebnis dann auch aus« nachdem er gezeigt hat wie man eine oder auch eine doppelte vertikale Linie in einer Tabelle erzeugt. ;-) Leider erklärt er nicht, warum ich das witzig finde: Es sieht schlecht aus. Man sollte vertikale Linien besser bleiben lassen.

Die Erklärung zu horizontalen Linien ist bezüglich der Grundfähigkeiten von LaTeX ebenfalls recht erschöpfend. booktabs wird leider nicht erwähnt.

Am Beispiel von zu langem Text in einer letzten Spalte erklärt er dann auch noch den Sinn von p-Spalten.

Erst jetzt kommt er zur table-Umgebung. Das ist gut. Das gefällt mir. Dass er allerdings mal wieder die Positionierungsoptionen verwendet, gefällt mir nicht so. Das erweckt für mich den Eindruck, man solle diese immer angeben. Eigentlich ist es eher so, dass man sie nur verwenden sollte, wenn man die Default-Platzierung in Einzelfällen verändern muss. Auch wäre es schön zu erwähnen, dass man bei Tabellen besser Überschriften verwendet und wie das mit \captionabove oder Option captions=tableheading zu machen ist.

Das ist in meinen Augen bisher der beste Teil der Reihe. Zwar behandelt er tatsächlich nur Grundlagen, die aber wirklich korrekt und nutzbringend. Damit kann der Anfänger etwas anfangen und lernt auch nichts falsches. Streng genommen ist die Kritik daran im Kuriositätenkabinett daher nicht angemessen.

Teil 10: Vorlage Abschlussarbeit#

Sa, 2015-07-04 12:00

In Teil 10 des LaTeX Tutorials geht es um eine Vorlage für Abschlussarbeiten. Wer mich kennt, weiß, dass ich bereits bei dem Wort »Vorlage« zusammengezuckt bin. Aber trotzdem habe ich mich bemüht, vorurteilsfrei an die Sache zu gehen. Vielleicht, hat da ja mal jemand wirklich eine gute Vorlage erstellt? Ich sage es gleich: Hat er leider nicht – im Gegenteil!

In Minute 3 erklärt der Vortragende, dass er mit \setlength{\parindent}{0pt}4 die Einrückung am Anfang jedes Absatzes entfernt hat, weil er die nicht haben will. Er erklärt an der Stelle aber nicht, wie er Absätze stattdessen markiert. Nach Teil 6 schwant mir zwar finsteres, aber halt, halt bemühen wir uns um Neutralität. Korrekt wäre natürlich, dann Absatzabstand einzuschalten. Und korrekt würde man das bei der verwendeten KOMA-Script-Klasse mit einem passenden Wert für Option parskip oder notfalls Anweisung \setparsizes (die bitte möglichst unmittelbar nach dem Laden der Klasse und ggf. nach der genannten Option) erledigen. Ein Sprung dreißig Sekunden zurück offenbart aber, dass er Option parskip bisher nicht verwendet. Ich verrate es gleich, er wird es auch bis zum Ende des Teils nicht.

Der Sprung zurück offenbart noch mehr. So lädt er das Beispiel Paket graphicx überflüssiger Weise gleich zwei Mal, was die Übersicht nicht gerade erhöht und den Anwender leicht irre führen kann. Außerdem wird das bereits Ende 2013 stark veraltete Paket subfigure geladen. Dessen offizieller Nachfolger subfig wird gar nicht erwähnt und es wird auch nicht begründet, warum stattdessen das veraltete Paket verwendet wird. Ich tippe auf: Unkenntnis. Empfehlen würde ich übrigens das Paket subcaption, da dies im Gegensatz zu den vorgenannten optimal mit caption zusammenarbeitet.

Außerdem bedient sich der Vortragende der leider weit verbreiteten Unsitte, Links nicht einzurahmen und nicht zu unterstreichen, sondern einzufärben und zwar schwarz. Leute, wenn ihr keine Links wollt, dann verwendet keine oder nehmt Option hidelinks für hyperref. Wenn ihr keine Farbe im Ausdruck wollt, dann verwendet umrandete oder unterstrichene Links. Beides verschwindet im Ausdruck. Links, die ich erst mit der Maus suchen muss, sind grober Unfug! Außerdem macht er den typischen Fehler, alle Optionen beim Laden von hyperref anzugeben. Solange alle Strings aus US-ASCII-Zeichen bestehen, mag das noch funktionieren. Sobald aber hyperref die Codierung der Strings für irgendwelche Sonderzeichen wechseln muss, kann es in die Hose gehen. Deshalb sei dringend empfohlen, min. die String-Optionen per \hypersetup zu setzen. In einem Tutorium sollte man das am besten von Anfang an so machen! Und natürlich wird auch wieder einmal pdftex=true gesetzt. Leute! hyperref weiß selbst, dass es bei Verwendung von pdflatex das pdftex-Backend verwenden muss. Das braucht man ihm nicht erst zu sagen und damit den Wechsel zu einer anderen Engine zu erschweren.

Dass der Vortragende color statt xcolor verwendet, sei ihm gegönnt. Persönlich würde ich zwar xcolor immer den Vorzug geben. Aber darüber kann man streiten – solange man keine Farbe in Tabellen verwendet.

Ich weiß jetzt aber auch, warum neuerdings jedes zweite Beispiel in den Foren Paket transparent lädt, obwohl ich selbst es noch nie benötigt habe und ernste Zweifel habe, dass das wirklich so viele Leute benötigen. Der Herr bezeichnet es als eines der Pakete, die man als Standard lädt. Nö, tut man nicht! Lädt man nur, wenn man wirklich Bedarf dafür hat. Hat man eher selten. Lässt man in Minimalbeispielen und den meisten Tutorien einfach weg.

Kopf und Fuß werden natürlich wie in Teil 7 trotz KOMA-Script-Klasse mit fancyhdr statt mit scrlayer-scrpage gemacht. Interessant, dass die dort gewählten Einstellungen den KOMA-Script-Einstellungen für doppelseitige Dokumente weitgehend entsprechen – natürlich werden die Fonteinstellungen von KOMA-Script und andere Optionen aber nicht beachtet und natürlich wird fancyhdr-typisch der miserable automatische Versaliensatz mit \MakeUppercase verwendet, den man ggf. zumindest mit microtype ein wenig verbessern sollte, wenn man gar nicht die Finger davon lassen kann.

Sehr schön eigentlich, dass \hyphenation erklärt wird. Allerdings ist St-rei-fen-licht-scan-nern auch nicht viel besser als das, was TeX selbst liefert.

Und ich weiß jetzt endlich, woher dieses \newcommand{\RM}[1]{\MakeUppercase{\romannumeral #1}} kommt, das ich so oft sehe, dessen Verwendung ich aber praktisch nie sehe. Angeblich braucht man das für römisch nummerierte Aufzählungen. Nö, braucht man nicht. Pakete wie enumerate können das auch ohne diesen Befehl. Den braucht man ohnehin nur, wenn man die Nummerierung von Hand macht, und dann kann man natürlich auch gleich die römische Zahl schreiben – wenn man das nicht kann, sollte man besser auf römische Zahlen verzichten.

Schön, dass er erklärt, dass er in einer Datei nur die Einstellungen und in anderen (per \include) nur den Text hat. Schlecht aber, dass er Einstellungen, die er gar nicht erst erklärt, nach \begin{document} vornimmt und dabei auch noch das zu \makeatletter gehörende \makeatother vergisst.

Bei den Einstellungen wird dann auch noch ungeschickt mit \pagenumbering auf große römische Seitenzahlen umgeschaltet. Ungeschickt nicht, weil er sich dabei auf die neue Seite von \include verlässt, sondern weil er es an falscher Stelle macht. Wenn man den Vorderteil anders als den Rest des Dokuments nummeriert – obwohl die technische Notwendigkeit dafür durch die Verwendung von LaTeX hinfällig ist und es daher für den Leser besser wäre, es nicht zu tun – dann muss man das natürlich vor der Titelseite machen und nicht erst danach. Wer das nicht glaubt, soll mal ein paar Bücher aus dem Regel nehmen, bei denen tatsächlich noch römische Seitenzahlen im Vorderteil verwendet werden. Erste Seite Schmutztitel, zweite Seite Frontispiz, dritte Seite Titel, vierte Seite Verlagsangaben, fünfte Seite Vorwort, sechste Seite frei, siebte Seite Inhaltsverzeichnis. Meist ist das Inhaltsverzeichnis die erste Seite, die eine Seitenzahl trägt, aber eben nicht i oder I oder 1! Natürlich können einzelne Seiten (mit ihren Rückseiten), beispielsweise das Vorwort mit der nachfolgenden Vakatseite auch wegfallen. Die grundsätzliche Tatsache, dass von der ersten Seite des Buchblocks (zunächst unsichtbar) gezählt wird, bleibt aber.

Da der Vortragende empfiehlt, all diese Einstellungen einfach zu übernehmen, dürfen wir uns nicht wundern, dass die Anfänger genau das tun und sich damit ungewollt der berechtigten Kritik und leider auch dem weniger schönen Hohn anderer aussetzen. Bedankt euch bei dem Lehrer, der so tut, als wüsste er es, tatsächlich aber offensichtlich wenig Ahnung hat.

Kurz darauf verlässt er sich dann übrigens nicht mehr auf die neue Seite von \include und fügt selbst \newpage ein. Hm. Theoretisch könnten (ohne das \include, das \newpage ohnehin überflüssig macht) danach dann noch restliche Gleitumgebungen ausgegeben werden. Also sollte man in der Regel besser \clearpage verwenden. In einem Tutorium könnte man das als allgemeinen Grundsatz anwenden. Und eigentlich gehört vor ein \pagestyle immer \cleardoubleoddpage, weil die neue Seite eine rechte Seite werden muss und man davor ggf. eine Vakatseite benötigt. Anderenfalls kommt man beim Druck in Teufels Küche! Auch in einem einseitigen Beispiel stört die Verwendung von \cleardoubleoddpage nicht.

Wie schon in Teil 8 wird natürlich für das Literaturverzeichnis wieder bibtex verwendet. In meinen Augen ist das überholt und eher von Nachteil. biblatex und biber ist nicht wirklich schwerer zu bedienen. Ein mit unsrtdin vergleichbares Ergebnis ist damit sehr leicht zu erreichen und besitzt dann sogar noch diverse Erweiterungen wie die Möglichkeit der Verwendung von URLs für alle Datensätze.

Interessant wird es dann wieder in Minute 6. Dort zeigt sich am gezeigten Inhaltsverzeichnis, dass der Vortragende seine als recht selbstverständlich abgehandelte Änderungen an den \part-Einträgen ins Inhaltsverzeichnis selbst gar nicht verwendet. Offenbar benutzt er \part nicht. Also hätte schon er die Änderung wohl besser weggelassen.

Klar geworden ist mir dann auch noch, warum ich seit einiger Zeit wieder verstärkt das Abbildungsverzeichnis am Ende des Dokument finde. Er macht das so und zeigt das so. Nun, man kann das machen. Üblich ist aber meist, Abbildungs- und Tabellenverzeichnis nach dem Inhaltsverzeichnis. Wenn man das Abbildungsverzeichnis hinten macht, dann bitte auch das Tabellenverzeichnis. Kürzlich habe ich da bei einem Anwender eine ungute Verteilung gesehen. Aber nicht missverstehen: Den Fehler hat der Anwender gemacht, nicht der Ersteller dieser Vorlage.

Anmerken möchte ich noch, dass die Verwendung der Auto-Vervollständigung in einem Anfänger-Tutorium wie Magie anmutet. Leider wurde auch in den früheren Teilen nicht so richtig erklärt, wie diese Magie funktioniert. Da die meist ungeduldigen Anfänger vermutlich recht häufig mit diesem Teil beginnen, würde mich wirklich interessieren, ob die das selbst herausfinden.

Dass der Vortragende mit diesem Teil den Grundlagenkurs beendet, finde ich nach dem Studium der ersten zehn Teile eine sehr gute Idee. Bitte, bitte, diese Vorlage nicht verwenden! Nein, die übrigen, im Tutorium nicht im Detail behandelten Dateien habe ich mir nicht näher angeschaut. Das wollte ich mir ersparen. Ich befürchte, dass insbesondere die Titeldatei ebenfalls nicht zu empfehlen ist. Schon die Hauptdatei ist einfach nur schlecht und man sollte sie ganz schnell in den Müll werfen – oder grundlegend überarbeiten. Lieber “LaTeXTutorial” bitte, bitte lerne aus Deinen Fehlern und ersetze die ganzen schlechten Videos durch gute. Du kannst Dich auch gerne vor der Veröffentlichung eines Teils oder mit Deinem Beispiel oder Drehbuch an mich wenden, um vorab Verbesserungsvorschläge zu erhalten.

Allerdings könnte es sein, dass ich mich zu früh gefreut habe. Denn es gibt tatsächlich auch noch Teil 11 bis 16. Mal sehen, ob ich mir davon noch den einen oder anderen anschaue, soweit ich dabei nicht selbst der Einäugige oder Blinde wäre, wie das bei Tikz beispielsweise eindeutig der Fall ist.


  1. Der Fehler könnte glatt von mir sein. ↩︎

  2. Darüber komme ich wohl über alle Teile nicht hinweg. ↩︎

  3. Er lernt es wohl doch nicht mehr. ↩︎

  4. Siehe auch: Wie der Absatzeinzug korrekt verhindert wird ↩︎