Bühne frei für die Mitstreiter

In einigen Supportanfragen aber auch im einen oder anderen Beitrag im Internet klingen ja immer wieder die absonderlichsten Spekulationen über das Team hinter KOMA-Script an. Tatsächlich gibt es kein offizielles Team. Es gibt wechselnde Helfer, die mich bei der Entwicklung, der Logistik und was noch so anfällt unterstützen. Vorhang auf für ein paar der Leute, die in den letzten Monaten und Wochen beteiligt waren:

Praktisch dauerhafte Unterstützung gibt es von Raymond, der den Server betreibt. Dazu habe ich früher schon einiges geschrieben. Ohne seine Arbeit könnte es nicht nur diesen Web-Auftritt nicht geben. Auf dem Server läuft auch die Paketerzeugung einschließlich des Uploads auf SourceForge. Dabei macht sich ganz besonders die schnelle Anbindung des Servers ans Internet bemerkbar. Ohne den Server gäbe es also auch nicht die regelmäßigen Bugfix-Releases, die sich in den letzten Monaten weit mehr bewährt haben, als aus den absoluten Zahlen der entsprechenden Umfrage hervor geht.

Warum gibt es eigentlich seit einem Jahr kein neues KOMA-Script?

Das ist eine gute Frage und es gibt darauf nur eine recht schlechte Antwort: Weil ich selbst keinen Bedarf dafür habe.

Tatsache ist, dass ich zwar seit Jahrzehnten vom Bauplan bis zum Roman alles mit LaTeX erstelle und dabei fast immer KOMA-Script zum Einsatz kommt. Seit Jahren kann KOMA-Script allerdings alles, was ich benötige. Außerdem nimmt die Anzahl der Dokumente, die ich erstelle, stetig ab, bzw. erstelle ich die immer gleiche Art von Dokumenten lediglich mit anderem Inhalt. Das führt dazu, dass ich selbst neue Features in KOMA-Script nicht mehr hinreichend gut im täglichen Gebrauch testen kann. Selbst, wenn ich für alle meine Dokumente die aktuelle Beta-Version von KOMA-Script verwende, werde ich daher neue Fehler kaum finden.

Zeitenwandel

Nächstes Jahr sind es 30 Jahren, dass ich Software schreibe und weiter gebe. Damals war OpenSource nicht so wichtig wie kostenlos. Frei haben wir das trotzdem genannt oder Public Domain. Heute ist OpenSource wichtiger als kostenlos und viele verwechseln beides nur deshalb wieder, weil sie OpenSource-Software in der Regel auch kostenlos bekommen.

Früher gingen wir mit einer Kassette zu einem Kumpel und haben uns zwanzig Mal bedankt, wenn wir nach einer Stunde endlich eine fehlerfreie Kopie und eine Kurzeinführung in die wichtigsten Funktionen hatten. Heute laden sich die Leute in 10 Sekunden die Software samt 396 Seiten Handbuch (die zusätzlichen Anleitungen für tocstyle, scrjura etc. nicht mitgerechnet) von irgendwelchen Servern herunter und beschweren sich, wenn man sie nicht auf Händen dafür trägt, dass sie etwas in der Anleitung nicht gefunden haben.

Es gibt sie noch

Es gibt sie noch, die Anwender, die ihr Interesse an einer Weiterentwicklung und Verbesserung von KOMA-Script durch eigenen Einsatz unterstreichen. Diese Anwender sind es, für die ich KOMA-Script weiter entwickle. Genauso gibt es auch noch die Anwender, die keine Vorstellung davon haben, wie viele Arbeit in KOMA-Script steckt – und zwar gestern, heute und morgen.

Ich will jetzt nicht wieder über die Parasiten des Internet lamentieren. Stattdessen will ich auf diejenigen abheben, die durch ihren persönlichen Einsatz, die Weiterentwicklung von KOMA-Script fördern. Beispielhaft sei hier scrlttr2 erwähnt.

Warum eigentlich?

Immer wieder bekomme ich Fragen nach dem Warum? Mal will jemand wissen, warum bei KOMA-Script eine Voreinstellung so und nicht anders ist, mal will einer wissen, warum etwas nicht funktioniert, dann wieder werde ich gefragt, warum ich eigentlich neben der Entwicklung auch noch Support in verschiedenen Foren, im Usenet, auf Mailinglisten und per E-Mail mache. Manchmal frage ich mich, warum die Leute das wissen wollen.

Eigentlich habe ich alle diese Fragen schon mehr als einmal beantwortet. Aber vielleicht ist es an der Zeit, das einmal zusammenzufassen: