Bin ich verrückt?

Vor einigen Minuten hat mich eine Mail erreicht, in der mich ein Bekannter und bekennender KOMA-Script-Anwender rundheraus gefragt hat, ob ich verrückt sei. Tja, gute Frage.

Hintergrund war, dass ich demjenigen erzählt habe, was ich so alles an freiwilligen Tätigkeiten ausübe angefangen von meinem kirchlichen Engagement über diverse »Hey, kannst Du am Samstag auf unsere beiden Jüngsten aufpassen?« – »Klar, warum nicht!« über meinen OpenSource-Engagement bis hin zu: »Die Vorlage von https://bitsundbytesiminternetsindgeduldig.invalid ist sooo an dem vorbei, wie man das mit KOMA-Script machen sollte, da muss ich unbedingt einen Tag investieren, um dem armen Anwender, der darauf reingefallen ist, mal zu zeigen, wie es richtig geht.« Wann habe ich das letzte Mal ein Buch gelesen? Kaum zu glauben vor zwei Wochen!

Zeitenwandel

Nächstes Jahr sind es 30 Jahren, dass ich Software schreibe und weiter gebe. Damals war OpenSource nicht so wichtig wie kostenlos. Frei haben wir das trotzdem genannt oder Public Domain. Heute ist OpenSource wichtiger als kostenlos und viele verwechseln beides nur deshalb wieder, weil sie OpenSource-Software in der Regel auch kostenlos bekommen.

Früher gingen wir mit einer Kassette zu einem Kumpel und haben uns zwanzig Mal bedankt, wenn wir nach einer Stunde endlich eine fehlerfreie Kopie und eine Kurzeinführung in die wichtigsten Funktionen hatten. Heute laden sich die Leute in 10 Sekunden die Software samt 396 Seiten Handbuch (die zusätzlichen Anleitungen für tocstyle, scrjura etc. nicht mitgerechnet) von irgendwelchen Servern herunter und beschweren sich, wenn man sie nicht auf Händen dafür trägt, dass sie etwas in der Anleitung nicht gefunden haben.

Nach einem Restaurantbesuch

Gestern Abend war nun also das erste Treffen von Leuten, die an der dritten Auflage des KOMA-Script-Buches mitgewirkt haben. Die beiden älteren Herren waren gesundheitlich leider etwas angeschlagen und die Jugend hatte noch einen weiteren Weg nach Hause in Aussicht, was uns aber nicht davon abgehalten hat, guter Laune zu sein.

Die Jugend musste uns nochmal darauf aufmerksam machen, dass zu KOMA-Script einige Irrtümer weit verbreitet sind. Der größte Irrtum dabei sei, dass KOMA-Script furchtbar kompliziert sei. Tatsächlich erleichtere KOMA-Script die Arbeit. Eigentlich ist das in anderen Worten der Punkt, den ich schon seit Jahren zu betonen versuche: KOMA-Script funktioniert einfach, indem man in \documentclass eine Standardklasse durch die entsprechende KOMA-Script-Klasse ersetzt. Danach sieht manches etwas anders aus. Das war es aber erst einmal.