Es geschehen noch Zeichen und Wunder

So zumindest kommt es einem manchmal vor. Für den Anwender könnte eines diese Wunder sein, dass es nach vier Jahren endlich eine neue, überarbeitete Auflage des KOMA-Script-Buches geben wird. Dass es dieses Mal so lange gedauert hat, hat zwei Ursachen. An erster Stelle richtet sich eine Neuauflage nach der Nachfrage. Bis zur vierten Auflage war die Nachfrage nach einem gedruckten Buch sehr hoch. Die dritte Auflage war sogar so stark nachgefragt, dass es davon inhaltlich unveränderte Nachdrucke gegeben hat. Bei der fünften Auflage war die Nachfrage dagegen von Anfang an eher moderat. Die Verkaufszahlen blieben zwar über die vier Jahre recht stabil aber insgesamt stellte sich mir doch die Frage, ob sich die ganze Arbeit für eine sechste Auflage überhaupt lohnt. Scheinbar hat diese sechste Auflage nur 88 Seiten mehr. Tatsächlich kam aber so viel neues hinzu, dass ich mich gezwungen sah, einige weniger wichtige Kapitel aus dem Anhang zu entfernen und auch sonst moderat zu kürzen. Ohne das wären es mehr als 100 Seiten mehr geworden. Erfreulicher Weise konnte der Verlag den Preis so halten.

Zeitenwandel

Nächstes Jahr sind es 30 Jahren, dass ich Software schreibe und weiter gebe. Damals war OpenSource nicht so wichtig wie kostenlos. Frei haben wir das trotzdem genannt oder Public Domain. Heute ist OpenSource wichtiger als kostenlos und viele verwechseln beides nur deshalb wieder, weil sie OpenSource-Software in der Regel auch kostenlos bekommen.

Früher gingen wir mit einer Kassette zu einem Kumpel und haben uns zwanzig Mal bedankt, wenn wir nach einer Stunde endlich eine fehlerfreie Kopie und eine Kurzeinführung in die wichtigsten Funktionen hatten. Heute laden sich die Leute in 10 Sekunden die Software samt 396 Seiten Handbuch (die zusätzlichen Anleitungen für tocstyle, scrjura etc. nicht mitgerechnet) von irgendwelchen Servern herunter und beschweren sich, wenn man sie nicht auf Händen dafür trägt, dass sie etwas in der Anleitung nicht gefunden haben.

Nach einem Restaurantbesuch

Gestern Abend war nun also das erste Treffen von Leuten, die an der dritten Auflage des KOMA-Script-Buches mitgewirkt haben. Die beiden älteren Herren waren gesundheitlich leider etwas angeschlagen und die Jugend hatte noch einen weiteren Weg nach Hause in Aussicht, was uns aber nicht davon abgehalten hat, guter Laune zu sein.

Die Jugend musste uns nochmal darauf aufmerksam machen, dass zu KOMA-Script einige Irrtümer weit verbreitet sind. Der größte Irrtum dabei sei, dass KOMA-Script furchtbar kompliziert sei. Tatsächlich erleichtere KOMA-Script die Arbeit. Eigentlich ist das in anderen Worten der Punkt, den ich schon seit Jahren zu betonen versuche: KOMA-Script funktioniert einfach, indem man in \documentclass eine Standardklasse durch die entsprechende KOMA-Script-Klasse ersetzt. Danach sieht manches etwas anders aus. Das war es aber erst einmal.

Von einem, der auszog ein Buch zu schreiben

Heute ist bei mir das neue KOMA-Script-Buch eingetroffen. Nachdem ich viele Wochen daran geschrieben habe und ein gutes Dutzend Testleser wochenlang mit mir zusammengearbeitet hat, um es zu verbessern und korrigieren, ist es nun zwar auch schon ein paar Wochen her, dass ich die Druckvorlage abgeliefert und den Proof-Plot kontrolliert habe. Emotional ist ein richtiger Schlusspunkt aber erst jetzt erreicht, da ich das Buch selbst in Händen halte. Ich kann sagen: Die Arbeit hat sich gelohnt. Ich bin begeistert. Die Druckerei hat wieder einmal ausgezeichnete Arbeit geleistet. Der Druck ist so sauber, dass man selbst die extrem verkleinerten Briefbeispiele entziffern kann, bei denen eigentlich nicht der Text, sondern nur der optische Eindruck wichtig ist.