Wie ich entdeckt habe, gibt es zwar keinen direkten Zugriff auf die alten Repositories mehr, aber man kann indirekt über das Web-Frontend noch darauf zugreifen. Da das noch ein altes CVS-Repository war, gibt es keine globale Revisionen, sondern jede Datei hat ihre eigene Historie und ihre eigene von den anderen Dateien unabhängige Revisionsnummern. Also musste ich nicht nur ein Skript schreiben, das mir über das Web-Frontend die Dateien holt, um die Historie (allerdings ohne jeweiliges Datum) zu übertragen, musste ich auch noch die Dateien in der jeweiligen Revision in der richtigen Reihenfolge holen, um sie in ein neues subversion-Repository zu schreiben. Dazu mussten dann die Änderungen, die ich in letzter Zeit über ein neues, lokales Repository vorgenommen hatte, ebenfalls übertragen werden. Das ging aber Dank globaler Revisionsnummern dann schnell. Jetzt habe ich also ein neues (nicht öffentliches) Repository mit der gesamten Historie.
Es geht auch noch härter
[als damals beim Ende von BerlIOS]
Wie ich gerade feststellen durfte, hat Sarovar.org, der langjährige Hoster von
splitindex, am 26. Dezember ebenfalls die Pforten geschlossen. Allerdings
habe ich von dem keine Vorwarnung bekommen. Die gab es wohl im Sarovar-Forum,
das ich nie verfolgt habe. Bemerkt habe ich das erst jetzt, als ich eine neue
Version einchecken wollte. Damit geht die gesamte Historie des Pakets
verloren. Nun, es gibt sicher schlimmeres, aber ein wenig ärgerlich ist es
doch. Außerdem muss ich nun auch noch für dieses Paket irgendwo ein neues
Projekt aufsetzen …
Nacht- und Nebelaktion
Da es unmöglich war, mit einem sinnvollen zeitlichen Aufwand, alle notwendigen Information zur automatischen Migration nach SourceForge von den Verantwortlichen bei BerliOS zu bekommen, habe ich heute Vormittag in einer Nach-und-Nebel-Aktion die Quellen von KOMA-Script selbst nach SourceForge migriert.
Für diejenigen unter Euch, die mit dem Repository arbeiten, bedeutet das, dass sie ebenfalls zum SourceForge Repository von KOMA-Script wechseln müssen.
Mich selbst wirft das in einigen wenigen Punkten etwas zurück, weil ich beispielsweise die weitgehend automatisierte Erstellung neuer Pakete und Releases noch auf dieses Repository umstellen muss. Allerdings war mir die Gefahr, dass der Umzug dann schief geht, wenn ich nur noch Stunden dafür habe, einfach zu groß.
Ende mit Chance zum Neuanfang – BerliOS schließt die Entwicklerplattform endgültig
Seit mehr als einem Jahrzehnt ist KOMA-Script als Projekt bei BerliOS beheimatet. Entstanden ist die Partnerschaft, als ich für KOMA-Script 3 eine Heimat für ein öffentliches Source-Repository gesucht habe. Damals gab es mit LPPL als Lizenz bei diversen der bekannteren, kostenlosen OpenSource Hoster noch einige Probleme. BerliOS erkannte aber bereits damals LPPL als freie Lizenz an. Außerdem fand ich den Gedanken, meine Quellen nicht jedes Mal über sämtliche Kontinente zu schicken, vernünftig. Beides zusammen war der Hauptgrund, warum ich mich damals zu einem Projekt koma-script3 auf BerliOS entschieden habe.
The never ending story …
Wieder einmal eine neue KOMA-Script-Release und wieder einmal dasselbe
Theater, wie es in unregelmäßigen Abständen auftritt, wenn ich eine neue
Release für eines meiner LaTeX-Pakete erstelle. Da dies auch in die Frage
hineinspielt, warum es tatsächlich bis zu dieser KOMA-Script-Release so lange
gedauert hat und warum es beispielsweise das titlepage-Paket nur hier auf
komascript.de nicht aber bei anderen Distributoren gibt,1 wäre es
unehrlich, das ganze einfach unter den Teppich zu kehren.
Zeitenwandel
Nächstes Jahr sind es 30 Jahren, dass ich Software schreibe und weiter gebe. Damals war OpenSource nicht so wichtig wie kostenlos. Frei haben wir das trotzdem genannt oder Public Domain. Heute ist OpenSource wichtiger als kostenlos und viele verwechseln beides nur deshalb wieder, weil sie OpenSource-Software in der Regel auch kostenlos bekommen.
Früher gingen wir mit einer Kassette zu einem Kumpel und haben uns zwanzig Mal
bedankt, wenn wir nach einer Stunde endlich eine fehlerfreie Kopie und eine
Kurzeinführung in die wichtigsten Funktionen hatten. Heute laden sich die
Leute in 10 Sekunden die Software samt 396 Seiten Handbuch (die zusätzlichen
Anleitungen für tocstyle, scrjura etc. nicht mitgerechnet) von
irgendwelchen Servern herunter und beschweren sich, wenn man sie nicht auf
Händen dafür trägt, dass sie etwas in der Anleitung nicht gefunden haben.
BerliOS macht dicht!
Zu befürchten war es bereits nach einem Rundschreiben, in dem gefragt wurde, wie man BerliOS nutzt und was man selbst bereits wäre, für den Service zu leisten. Jetzt ist es amtlich: BerliOS schließt zum 31. Dezember die Pforten.
Für KOMA-Script hat das durchaus erhebliche Konsequenzen. Nicht allein, dass das Repository von KOMA-Script seit vielen Jahren bei BerliOS angesiedelt ist und es natürlich Arbeit macht, das zu einem anderen Hoster zu übertragen. Diverse Scripte von der ChangeLog-Erstellung bis zur halbautomatischen Release-Erzeugung basieren ganz wesentlich auf der Arbeitsweise mit BerliOS. Das alles um zu stellen wird eine Menge Arbeit werden.
Nach einem Restaurantbesuch
Gestern Abend war nun also das erste Treffen von Leuten, die an der dritten Auflage des KOMA-Script-Buches mitgewirkt haben. Die beiden älteren Herren waren gesundheitlich leider etwas angeschlagen und die Jugend hatte noch einen weiteren Weg nach Hause in Aussicht, was uns aber nicht davon abgehalten hat, guter Laune zu sein.
Die Jugend musste uns nochmal darauf aufmerksam machen, dass zu KOMA-Script
einige Irrtümer weit verbreitet sind. Der größte Irrtum dabei sei, dass
KOMA-Script furchtbar kompliziert sei. Tatsächlich erleichtere KOMA-Script die
Arbeit. Eigentlich ist das in anderen Worten der Punkt, den ich schon seit
Jahren zu betonen versuche: KOMA-Script funktioniert einfach, indem man in
\documentclass eine Standardklasse durch die entsprechende
KOMA-Script-Klasse ersetzt. Danach sieht manches etwas anders aus. Das war es
aber erst einmal.