Ein möglicher Abschied auf Raten

Für mich steht außer Frage, dass tiefgreifende Veränderungen stattfinden und weiter anstehen. Deshalb will ich heute einen kleinen Rückblick auf fast 30 Jahre KOMA-Script und mehr als 30 Jahre LaTeX-Engagement werfen. Aus der angerissenen Geschichte leiten sich Konsequenzen ab, die teils längst erkennbar sind. Weitere Veränderungen sind notwendig und sollen nicht verheimlicht werden, ohne dass irgend jemand heute konkret sagen könnte, was die Zukunft tatsächlich bringen wird. Den Kopf in den Sand zu stecken, wird aber nicht mehr funktionieren.

Das neue Jahr bringt nicht nur Vorsätze

Wer auf komascript.de aufmerksam mitliest, weiß schon länger, dass einige Entscheidungen anstanden und teilweise noch anstehen. Diese sollen dringend notwendige Veränderungen für mich mit sich bringen, haben aber natürlich auch Auswirkungen auf die Anwender. Mit dem neuen Jahr – oder eigentlich bereits kurz vor Weihnachten – sind die meisten dieser Entscheidungen gereift.

Seit mehr als 25 Jahren entwickle und pflege ich KOMA-Script quasi als One-Man-Show. So ganz stimmt das natürlich nicht, denn schon sehr früh bekam ich erste Unterstützung. Damals übernahm Luzia den Upload von KOMA-Script auf den CTAN-Server, weil es für mich extrem umständlich war, per Modem und VT220-Terminal-Zugang zur Uni das damals schon nicht kleine Paket zuerst auf meinen Benutzeraccount an der Uni zu übertragen und dann per ftp auf den CTAN-Server. Axel/Harald schrieb die erste vollständige Anleitung zu KOMA-Script. Der andere Axel steuerte die erste Briefklasse bei. Jahre später investierte Jens-Uwe sehr viel Zeit, die Überarbeitung der Anleitung und die Veröffentlichung als Buch zu betreuen und auch einige Kapitel der neuen Anleitung beizusteuern. Torsten wurde in dieser Zeit unverzichtbar als Ratgeber bei der Entwicklung einer komplett neuen Briefklasse aber auch bei der fortgesetzten Korrektur der Anleitung. Wenige Jahre später wurde Elke für die Weiterentwicklung des Pakets und die Korrektur der Anleitung und der Buchfassung aber auch für den Support im Allgemeinen unverzichtbar. Falk wiederum findet seit Jahren die Fehler, die so tief in KOMA-Script vergraben sind, dass ihre Beseitigung mir immer wieder erhebliche Kopfschmerzen bereitet. Dasselbe gilt für die vielen Anregungen und Erweiterungen, die auf ihn zurück gehen. Uwe hat seit der Jubiläumstagung von DANTE in Heidelberg die Verwaltung der CTAN-Uploads übernommen. Nach Elke, die die komplette Familie dafür eingespannt hat, haben zunächst unter anderem Gernot, dann Krickette und schließlich Karl sich der Übersetzung der KOMA-Script-Anleitung angenommen und diese massiv überarbeitet. Viele weitere stießen im Laufe der Jahrzehnte zum inoffiziellen Team, manche sind wieder in der Versenkung verschwunden. Ohne die ganzen Mitstreiter wäre die Arbeit aber auch der immer wieder entstehende Frust nicht zu bewältigen gewesen. Eine wichtige Rolle haben dabei natürlich auch diejenigen gespielt, die mich auf unterschiedliche Weise aufgemuntert und ermutigt haben. Eine zentrale Rolle spielte auch meine Familie, die mir überhaupt ermöglicht haben, Jahre in die Entwicklung und Pflege dieses Monsters zu stecken.

Tolle Leute

Ich sollte diese Seite einfach selbst öfter lesen. Sie erinnert mich nämlich immer wieder daran, dass ich es sehr oft auch mit tollen Leuten zu tun habe. Wenn ich mir die ganzen Geschenke in Erinnerung bringe und die Kontakte mit netten Menschen, die über die Jahre entstanden sind, dann motiviert das am Ende doch wieder sehr. Ganz unabhängig vom Wert der Geschenke, vermitteln sie mir, dass die ganze – teilweise auch recht nervenaufreibende – Arbeit doch nicht für die Katz ist, sondern für andere einen Wert hat.

Vielen herzlichen Dank an den bekannten Spender!

Hey, eigentlich wollte ich ja nur unter „Danke an unbekannte Spender“ ein Dankeschön für die Geschenke ohne bekannten Absender auflisten, weil ich mich bei den Leuten eben nicht persönlich bedanken kann. Und eigentlich wollte ich keine Geschenke herausstellen. Alle Geschenke haben ihren ganz individuellen Wert für mich! Aber gestern ist etwas geschehen, davon muss ich einfach berichten.

Mit Vorankündigung kam gestern ein Paket von jemandem an, den ich nicht etwa deshalb sehr schätze, weil er mir schon häufiger größere Geschenke gemacht hat (beispielsweise den Schreibtischstuhl, auf dem ich gerade sitze), sondern auch weil er mit seinen durchdachten Vorschlägen und qualifizierten Problembeschreibungen KOMA-Script immer wieder ein gutes Stück voran gebracht hat und vor allem, weil ich beim E-Mail-Verkehr mit ihm nicht jedes Wort auf die Goldwaage legen muss, sondern auch mal flapsig sein kann und wir, wenn ich Mist baue, gemeinsam darüber lachen können. Schon als ich das Paket entgegen genommen habe, vibrierte in mir die Vorfreude. Ich wusste ja, was darin ist. Deshalb habe ich es auch sehr vorsichtig ausgepackt. Als ich das gute Stück, dann in Händen hielt, war wirklich unfassbar, wie schön es ist! Hier ein Bild von dem Schmuckstück:

Es geschehen noch Zeichen und Wunder

So zumindest kommt es einem manchmal vor. Für den Anwender könnte eines diese Wunder sein, dass es nach vier Jahren endlich eine neue, überarbeitete Auflage des KOMA-Script-Buches geben wird. Dass es dieses Mal so lange gedauert hat, hat zwei Ursachen. An erster Stelle richtet sich eine Neuauflage nach der Nachfrage. Bis zur vierten Auflage war die Nachfrage nach einem gedruckten Buch sehr hoch. Die dritte Auflage war sogar so stark nachgefragt, dass es davon inhaltlich unveränderte Nachdrucke gegeben hat. Bei der fünften Auflage war die Nachfrage dagegen von Anfang an eher moderat. Die Verkaufszahlen blieben zwar über die vier Jahre recht stabil aber insgesamt stellte sich mir doch die Frage, ob sich die ganze Arbeit für eine sechste Auflage überhaupt lohnt. Scheinbar hat diese sechste Auflage nur 88 Seiten mehr. Tatsächlich kam aber so viel neues hinzu, dass ich mich gezwungen sah, einige weniger wichtige Kapitel aus dem Anhang zu entfernen und auch sonst moderat zu kürzen. Ohne das wären es mehr als 100 Seiten mehr geworden. Erfreulicher Weise konnte der Verlag den Preis so halten.

Weihnacht!

In diesem Jahr wird es (wieder einmal) keine Weihnachtsrelease von KOMA-Script geben. Zwar befindet sich Version 3.22 sogar in einem Zustand, der eine Release ermöglichen würde, aber mir waren in diesem Jahr andere Dinge wichtiger. Wie so oft wollte keine rechte Weihnachtsstimmung aufkommen. Das Wetter war sowohl in meteorologischer als auch politischer Sicht eher deprimierend als weihnachtlich. Wie heißt es doch im Schweinachtsmann: »Wenn alles hetzt und rennt, ist garantiert Advent!« oder so ähnlich.

Frohe Weihnachten

Ich wünsche allen da draußen – egal ob sie mir persönlich bekannt sind, ob sie KOMA-Script verwenden, ob sie LaTeX-Anwender sind, ob sie friedlicher Gesinnung sind oder nicht – fröhliche und friedliche Weihnachten. Ich wünsche allen – seien sie Christen oder nicht, seien sie Theisten, Atheisten, Agnostiker, Esoteriker, Naturalisten oder was auch immer – die Zeit und Muse, sich dieser Tage Gedanken über die Botschaft des Weihnachtsfestes zu machen. Diese Botschaft ist Teil meines Selbstverständnisses und ermutigt mich so manches Mal, wenn alle Zeichen auf Sturm stehen, weiter zu machen und auch gegen meinen eigenen inneren Widerstand eine helfende Hand ausgestreckt zu lassen. Leider vergesse auch ich das in der Hektik und über manchem Streit von Zeit zu Zeit. So will auch ich diese Gelegenheit nützen und mir in den kommenden Tagen Zeit für Reflektion und Besinnung nehmen. Gleichzeitig bitte ich all jene um Entschuldigung, die sich im vergangenen Jahr von mir ungerecht behandelt oder gar beleidigt fühlten.

Alle Achtung!

Ich gratuliere Dr. Ingeborg Syllm-Rapoport zu ihrem neu erworbenen Doktortitel. Das war ein mutiger und bewundernswerter Schritt. Gerade unter ihrer eigenen Begründung, warum sie sich zu diesem Schritt entschlossen hat, kann ich nur sagen: »Hut ab!« Nicht den Verbrechern von damals sondern den Opfern das letzte Wort zu lassen verdient Aufmerksamkeit.

Bühne frei für die Mitstreiter

In einigen Supportanfragen aber auch im einen oder anderen Beitrag im Internet klingen ja immer wieder die absonderlichsten Spekulationen über das Team hinter KOMA-Script an. Tatsächlich gibt es kein offizielles Team. Es gibt wechselnde Helfer, die mich bei der Entwicklung, der Logistik und was noch so anfällt unterstützen. Vorhang auf für ein paar der Leute, die in den letzten Monaten und Wochen beteiligt waren:

Praktisch dauerhafte Unterstützung gibt es von Raymond, der den Server betreibt. Dazu habe ich früher schon einiges geschrieben. Ohne seine Arbeit könnte es nicht nur diesen Web-Auftritt nicht geben. Auf dem Server läuft auch die Paketerzeugung einschließlich des Uploads auf SourceForge. Dabei macht sich ganz besonders die schnelle Anbindung des Servers ans Internet bemerkbar. Ohne den Server gäbe es also auch nicht die regelmäßigen Bugfix-Releases, die sich in den letzten Monaten weit mehr bewährt haben, als aus den absoluten Zahlen der entsprechenden Umfrage hervor geht.

Ein gutes vergangenes Jahr und ein guter Start ins neue Jahr

Silvester ist für die viele Leute ja ein Anlass für Vorsätze, für die sie sich ab Neujahr dann die größte Mühe geben, sie wieder zu vergessen. Für mich ist die Zeit vom 4. Advent bis Silvester inzwischen eher eine Gelegenheit das vergangene Jahr ein wenig zu reflektieren. Vorsätze für das neue Jahr treffe ich hingegen eher keine mehr. Selbst die Frage, was ich mir vom kommenden Jahr erwarte, verkneife ich mir. Stattdessen habe ich täglich den Vorsatz, den Tag so zu nehmen, wie er kommt. Mal bin ich damit erfolgreich mal weniger.